Das "Große Berggeschrey"

Nach den ersten Besiedelungen des Gebietes, des damals undurchdringlichen Urwaldes, des sogenannten "Miriquidi", im 12. Jahrhundert, kam es bereits zu ersten kleineren Zinn-, Eisenerz- und Kupferfunden. Bereits damals entstanden einfache Hüttenwerke, Schmelzöfen und Hammerwerke, die Eisen gewannen und bearbeiteten, wobei das reichlich vorhandene Holz in den Wäldern und das Wasser als Energiequellen dienten.

Als man im Jahre 1168 im Freiberger Raum das erste Silbererz gefunden hatte, wurde das erste "Berggeschrey" ausgelöst. Schnell verbreitete sich die Kunde vom Silberreichtum und zog damit Bergleute, Händler, Köhler und Vagabunden in dieses unwirtliche Gebiet.

Man kann das "Berggeschrey" mit dem "Goldrausch" des 19.Jahrhunderts in Nordamerika vergleichen.

Etwa 300 Jahre später, im Oktober 1491 entdeckte der Bergmann Kaspar Nitzel aus Frohnau eine äußerst ergiebige Silberader am Schreckenberg. Mit dem daraufhin ertönendem zweiten oder "Großen Berggeschrey" im oberen Erzgebirgsraum wurde eine weitere rege bergbauliche Tätigkeit und ein starker Zuzug in diese Region ausgelöst. Durch den Reichtum an Erzen wurde aus dem dunklen Wald, dem unzugänglichen Gebirge, das "Erzgebirge". Es entstanden Bergsiedlungen, von denen einige zu Städten, z.b. Annaberg, Buchholz, Schneeberg, Marienberg usw., heranwuchsen und es wurden Straßen gebaut, auf denen das kostbare Edelmetall abtransportiert wurde, um vor allem die stets aufnahmebereiten Schatzkammern der wettinischen Landesherren in Dresden zu füllen.

Von allen ist die sogenannte "Silberstrasse" die berühmteste und noch heute durch ihre Bauwerke, die vom einstigen Reichtum berichten, bekannt. Sie führt über 230 km von Zwickau nach Dresden.

Im ausgehenden 16. Jahrhundert sanken die Erzausbeuten und der Niedergang im Bergbau machte andere Erwerbsmöglichkeiten erforderlich.

Neben dem Silber wurden im Erzgebirge auch Zinn, Eisen, Kupfer, Arsen, Blei, Kobalt, Nickel, Uran, Wismut, Wolfram sowie Zink abgebaut. Der Bergbau bildete einige Jahrhunderte einen wichtigen Erwerbszweig und hat die Region, die Menschen und ihre Traditionen nachhaltig geprägt.

Eine dieser Traditionen, der schönsten im Erzgebirge, ist das Aufstellen von Lichtern in den Fenstern, Schwibbögen oder Räuchermännern in der Weihnachtszeit. Damals wie heute gilt die Weihnachtszeit als die schönste Zeit des Jahres und mit diesem Brauch wird die Sehnsucht nach Licht und Geborgenheit ausgedrückt, die Sehnsucht der Bergleute.